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Sonntag, 27. November 2016, 18:53

Wem folgen wir nach?

Mal eine ganz praktische Überlegung, die mir vor kurzem in den Sinn kam, als wir mit einer kleinen Gruppe eine Wanderung gemacht haben. Auch wenn Wandern in unseren Tagen nicht mehr so populär sein mag, gehe ich davon aus, dass sich jeder Leser in folgende Situation versetzen kann: Angenommen, ich bin in einer mir fremden Gegend unterwegs und möchte ein ganz bestimmtes Ziel erreichen. Ich treffe eine kleine Gruppe von Wanderern, sie versichern mir dasselbe Ziel zu haben und so schließe ich mich ihnen an. Diese Gruppe schließt sich kurze Zeit später einer noch größeren Wandergruppe an und ich trotte weiter unbekümmert hinterher.
So weit so gut. Doch wie reagiere ich, wenn ich, je länger ich diese Gruppe begleite, immer mehr den Eindruck gewinne, dass wir nicht auf das Ziel zugehen, sondern dass wir uns eher davon entfernen? Laufe ich einfach weiter mit und verlasse mich blind auf die anderen oder werfe ich nicht lieber doch noch einmal einen Blick auf meine Wanderkarte?

Anhand dieses Beispiels möchte ich versuchen, die gegenwärtige Situation der Evangelikalen zu illustrieren: Ein Großteil unter ihnen befindet sich, bildlich gesehen, in der eben beschriebenen Situation. Man hatte ursprünglich ein ganz bestimmtes Ziel vor Augen, man war unterwegs zu der Stadt, deren Baumeister Gott ist. Man war vielleicht ursprünglich in einer kleinen Gemeinde oder in einer Bewegung, bei der die Bibeltreue noch wichtig war, doch nach einer gewissen Zeit, meinte man festzustellen, dass die große Volkskirche auf demselben Weg sei, und so fasste man den Beschluss, sich mit dieser innerhalb der Evangelischen Allianz zu vereinen. Unterwegs traf man noch weitere christliche Denominationen und je größer die Schar wurde, umso gewisser war man, den richtigen Kurs eingeschlagen zu haben. So viele Menschen können doch nicht irren, zumal so viele angesehene und redegewandte in der Schar zu finden sind.
Anfangs, als man noch allein in der kleinen Schar unterwegs war, kam man sich ein wenig wie ein Außenseiter vor, doch nun in dieser großen Gruppe bekommt man auch mehr Beachtung und wird von der Welt ganz anders wahrgenommen. Es ist ein schönes harmonisches Miteinander, man ist auf einem gemeinsamen Weg, verfolgt ein gemeinsames Ziel, doch immer wieder begegnen einem irgendwelche Störenfriede, die einem weismachen wollen, man hätte die falsche Richtung eingeschlagen. Sie reden auf dich ein, und appellieren immer wieder, schaue noch einmal in deiner Wanderkarte nach.

Genau das ist auch mein Anliegen: jeden, der das Ziel hat, Jesus Christus nachzufolgen, möchte ich bitten, seine Wanderkarte zu studieren. Wenn man das macht, wird man bemerken, dass, je länger man dieser großen Schar gefolgt ist, sich diese immer weiter von dem Ziel entfernt hat, das man ursprünglich erreichen wollte. Und so muss sich jeder fragen: laufe ich einfach weiter mit, und verlasse mich blind auf die anderen oder sehe ich noch einmal in meiner Wanderkarte nach?
Vielleicht bin ich auch zu bequem, selbst die Karte zu studieren und laufe lieber brav den anderen hinterher. Und wem folge ich dann, wahrscheinlich denen, die am schnellsten unterwegs sind, man will ja schließlich so früh wie möglich den Zielort erreichen. Doch was nützt es mir schnell voranzukommen, wenn ich in falscher Richtung unterwegs bin? Das Einzige, was ich damit erreiche ist, dass ich mich immer weiter vom Ziel entferne. Es ist unschwer zu erkennen, dass ein solches Verhalten nicht dem gesunden Menschenverstand entspricht, sondern sehr unvernünftig und töricht ist.
Denn der gesunde Menschenverstand würde mich in jedem Fall dazu bewegen, einen Blick in die Wanderkarte zu werfen, doch die Frage ist, warum setzt dieser Verstand bei so vielen Nachfolgern aus? Warum prüfen nur so wenige anhand der Bibel, ob jene, denen sie nahezu blind nachfolgen, wirklich auf das Ziel zusteuern, das sie ursprünglich erreichen wollten? Natürlich ist es bequemer mit der großen Masse zu gehen, doch wer wissen will, wohin dieser Strom führt, der sollte nachlesen, was Jesus in Matthäus 7 Vers 13 sagt.

Leider sind viele Christen in unserer Generation entweder zu wenig mit dem Wort Gottes vertraut oder sie sind schon so abgestumpft, dass das Wort ihr Gewissen nicht mehr wachrütteln kann. Man befindet sich mitten im Sog eines modernen Pseudo-Christentums, bei dem die Frage nach der Wahrheit immer mehr zur Nebensache wird. Man hat sich schon so damit arrangiert, eine biblische Wahrheit nach der anderen zu opfern und bemerkt nicht, dass einem nach und nach das Glaubensfundament unter den Füßen weggezogen wird. So lange nur die Veranstaltungen in einem schönen Rahmen ablaufen und solange sich nur alle wohlfühlen, das scheint die Hauptsache zu sein, ob jedoch all die religiöse Betriebsamkeit noch irgendetwas mit dem zu tun hat, was die Bibel unter Nachfolge versteht, wird kaum noch hinterfragt.

So bringt man es auch ohne weiteres mit dem Gewissen in Einklang, das 500jährige Reformationsjubiläum zu feiern, ohne auch nur einen ernsthaften Gedanken daran zu verschwenden, was das Anliegen der Reformation war. Luther ging es nicht darum, eine Reformation um der Reformation willen durchzuführen, auch war es nicht sein Anliegen, die Kirche in Richtung seiner persönlichen Vorlieben zu steuern, vielmehr ging es ihm um ein Zurück zum Ursprung. Sein Ziel war es, die Kirche von einem falsch eingeschlagenen Kurs abzubringen. Sein Ziel war eine Neuausrichtung auf den in der Heiligen Schrift geoffenbarten Willen Gottes. Der Luther, den die großen Kirchen heute gemeinsam feiern, wäre bei ihnen gewiss nicht willkommen gewesen. Im Gegenteil, man hätte ihn als Fundamentalist gebrandmarkt, er wäre als Sektierer verschrien worden, der gegen das Gebot der „political correctness“ verstößt.

Die moderne Kirche liebt es zu reformieren, doch dabei geht es nicht um ein Zurück zu den biblischen Maßstäben, sondern darum, diese immer weiter auszuhöhlen und umzudeuten. Alles soll dem Geschmack der Zuhörer angepasst werden. Und anstatt anlässlich des Reformationsjubiläums, das hervorzuheben, was dem Reformator so wichtig war, verbeugt man sich vor dem Islam und dem aufgeklärten Humanismus. Anstatt die Kernbotschaft des Evangeliums auf den Leuchter zu stellen, lädt man zu den Feierlichkeiten sogar Vertreter des Islams als Sprecher ein. Statt zu betonen, dass uns Menschen kein anderer Name zum Heil gegeben ist, als allein der Name des Herrn Jesus Christus, übt man sich im Schulterschluss mit den anderen Religionen. Statt hervorzuheben, dass der Mensch allein aus Gnade, allein aus Glauben gerettet wird, stellt man die Werkegerechtigkeit der anderen Religionen auf dieselbe Stufe. In diesem Fall ist dann nicht Christus der Erlöser, vielmehr erlöst sich der Mensch selbst. Nichts könnte dem Evangelium deutlicher widersprechen, nichts könnte in größerem Gegensatz zur Reformation stehen. Doch wer heute wie einst ein Luther seine Stimme gegen solche Missstände erhebt, wird schnell in die Schranken gewiesen.
...


Dies war ein kurzer Auszug aus der mehrteiligen Beitragsreihe: "Halbherzig oder kompromisslos?" Wer Interesse hat kann die Beiträge unter nachfolgend genannter Webseite finden.
Der Textauszug ist aus Teil 4. "Der Weg der faulen Kompromisse"
Signatur von »Karl-Heinz67« Jesus Christus, unsere Hoffnung (1.Tim 1,1).

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2

Sonntag, 27. November 2016, 19:09

Lieber Karl-Heinz,

Am besten ist, in einer kleinen, überschaubaren Gruppe zu sein, wo man sich gegenseitig kennt und schätzt.
In solch einer kleinen, verschworenen Gemeinschaft, lässt sich der Glaube besser leben, als in den großen Institutionen mit ihren "Wasserköpfen".
Guckst Du hier: http://haus-gemeinde.de
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3

Montag, 28. November 2016, 14:03

Schlafwandler

Wenn der Herr kommt, wird er viele schlafend vorfinden.

4

Sonntag, 4. Dezember 2016, 20:14

Danke für eure Kommentare, der genannte Link ist mir bekannt, ich schreibe es nur, weil ich jahrelang in einer Gemeinde war, wo man alles nicht so eng sah und jeden Trend mitgemacht hat. Es hat bei mir sehr lange gedauert hat, bis mir bewusstwurde, dass das der falsche Weg ist. Ich hielt mich für sehr christlich, doch habe mit offenen Augen geschlafen und ich denke viele Glaubensgeschwister befinden sich in ähnlicher Situation. Es hat sich große Schläfrigkeit breitgemacht und dennoch hält man große Stücke auf sich. Wahrlich wir leben in der Laodizea-Epoche, wir sind umgeben von einem Christentum, das von sich spricht: „Ich bin reich und habe Überfluß, und mir mangelt es an nichts!“ Doch der HERR sagt: Und du erkennst nicht, daß du elend und erbärmlich bist, arm, blind und entblößt (Offb 3,17). Dieser Gemeinde muss der HERR sagen: Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an (V 20). Das ist die moderne Frömmigkeit, man hält von sich selbst so große Stücke, dass man gar nicht bemerkt, dass der HERR außenvorsteht.
Dennoch wirbt ER in Seiner Liebe um den Einzelnen. Daher sollte uns bewusst sein, Menschen, die in diesen kirchlichen Systemen gefangen sind, sind auch unser Missionsfeld, auch sie gilt es zu erreichen. Möge der HERR sich erbarmen, dass noch viele herausgerufen werden, ehe es zu spät ist.
Signatur von »Karl-Heinz67« Jesus Christus, unsere Hoffnung (1.Tim 1,1).

http://www.evangeliums-botschaft.de




5

Dienstag, 13. Dezember 2016, 19:07

Halbherzig oder kompromisslos? - Als kostenloses PFD-Buch erhältlich

Nachträglich noch ein Hinweis:

Die komplette Beitragsreihe "Halbherzig oder kompromisslos?" bestehend aus den folgenden Kapiteln ist auch als PDF erhältlich:

1. Eli, ein halbherziger Priester I (Georg Walter)
2. Eli, ein halbherziger Priester II
3. Micha: der Prophet, der keine Kompromisse machte (Georg Walter)
4. Der Weg der faulen Kompromisse
5. Die trügerische Weltweisheit der Hure Babylon
6. Hütet euch vor falscher Lehre
7. Ist Gehorsam nur eine Option?
8. Gottesfürchtiger Lebenswandel (Georg Walter)
9. Es steht geschrieben

3 Kapitel wurden von Georg Walter geschrieben, die restlichen sind von mir. Wer Interesse hat findet nachfolgend den LINK zum DOWNLOAD


http://www.evangeliums-botschaft.de/halb…isdownload.html

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